Menstruation

(Navesh Chitrakar: Reuters)

print
Einmal im Monat dürfen viele Frauen und Mädchen in Nepal ihr zu Hause nicht betreten. Weil sie während ihrer Monatsblutung als schmutzig, als unrein gelten, werden Frauen während dieser Zeit 5-7 Tage verstoßen und müssen in einer so genannten „Menstruationshütte“ wohnen. Ein kleines Häuschen weit weg von den anderen Menschen. Oft dient dazu auch der Stall. Hier muss sie bleiben, von den anderen DorfbewohnerInnen gemieden. Die Winter sind oft hart, die Hütten bieten keinen Schutz vor der Kälte. Auch giftige und wilde Tiere sind im Himalaya-Gebirge nicht selten.

Die Monatsblutung ist symbolisch sehr aufgeladen: Hätten die Frauen freien Zugang zu Wasserquellen, könnten diese Austrocknen. Berühren sie unreifes Obst, könnte es herabfallen, bevor es reif ist. Berühren sie Menschen und verletzen die Regeln, könnte das die Götter verärgern. Die Folgen wären, laut der Legende, verheerend für die Umgebung: Die Menschen sterben früher, das Vieh verendet oder die Ernte wird zerstört. Manche Mädchen berichten auch davon, dass sie während ihrer Periode keine Bücher berühren oder nicht in den Spiegel sehen dürfen.

Diese Praxis heißt Chhaupadi, kommt aus dem Hinduismus und heißt „unberührbares Wesen“. Oft sterben Frauen und Mädchen in ihrer Isolation, durch Schlangenbisse, Unterkühlung oder zu starke Blutungen. Um sich warm zu halten, entfachen manche ein kleines Feuer und ersticken an dem entstehenden Rauch, der nicht abziehen kann. Die Hütten sind oft sehr abgelegen und unbewacht. Die Gefahr vergewaltigt zu werden ist hoch.

Der Einfluss von Chhaupadi ist in Teilen des Landes schon zurückgegangen. Im Osten haben die Traditionen nicht mehr so einen starken Einfluss auf die Menschen. Auch wenn viele Frauen und Mädchen ihre Nächte nicht mehr in der Menstruationshütte verbringen müssen, ist das Thema noch ein Tabu. Eine große Anzahl an Schulen haben keine geschützten Toiletten und Waschräume für Mädchen. Aufgrund des sozialen Stigmas, wollen sie nicht, dass irgendjemand von der Periode erfährt. Deswegen gehen sie oft während ihrer Periode trotzdem bis zu einer Woche nicht in die Schule. Außerdem haben Mädchen viele Aufgaben im Haushalt: Am Morgen müssen viele erst für die ganze Familie kochen oder die Tiere füttern, bevor sie den Schulweg antreten können. Unter diesen Umständen stellt die Schule für sie eine ungleich größere Herausforderung dar, als für die Buben im selben Alter.

Eigentlich ist Chhaupadi schon seit 2005 offiziell verboten. Jedoch wurden keine Schritte unternommen, das Gesetz auch aktiv umzusetzen, noch Strafen festgelegt, für jene, die dagegen verstoßen. Die Praxis ist tief in der Gesellschaft verwurzelt, im nepalesischen Brauchtum, in der Religion. Seit 2017 beträgt die Strafe nun 3000 Rupien (ca 25 Euro) und drei Monate Haft. Es wird jedoch noch einige Zeit dauern, bis dies auch in den Köpfen der Menschen angekommen ist.

Medienberichte über Chaupadi:

Nepal stellt Verbannung von Frauen während der Menstruation unter Strafe – Süddeutsche Zeitung

Nepali ‚menstruation hut‘ ritual claims life of teenage girl – CNN

Weil sie eine Frau ist – Süddeutsche Zeitung

Aktivistinnen zerstören Menstruations-Hütten – Der Standard

In Nepal werden Frauen während ihrer Menstruation verbannt – Vice Broadly