Arrangierte Ehen

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In Nepal gehört es seit jeher zur Tradition, dass Ehen arrangiert werden. Diesbezüglich gibt es viele Regeln, welche durch das Kastensystem bestimmt werden. Auch wenn “love marriages” oder Ehen, die auf die Wahl der Partner hin geschlossen wurden, ein zunehmendes Phänomen sind, so entspricht die Realität zum Großteil auch heute noch einer durch Eltern oder Verwandte arrangierten Ehe. Angesichts der gesellschaftlichen Veränderungen durchläuft jedoch auch das Konzept der arrangierten Ehe einen Wandel, der sich vor allem in der stärkeren Beteiligung der heiratsfähigen jungen Menschen am Auswahlprozess ihrer zukünftigen Ehepartner zeigt. Besonders in der Städten kommt es schon häufiger vor, dass man sich vor der Hochzeit Kennen –und Lieben lernt.

Für Männer ist es kein Problem zwei, drei oder noch mehr Freundinnen gleichzeitig zu haben, Frauen hingegen müssen genau prüfen worauf sie sich einlassen. Oftmals zwingen die jungen Männer die Freundinnen noch vor der Heirat zu Sex. Wird das Mädchen dann schwanger ist es das gesellschaftliche Aus für sie. Der Mann wird sie mit hoher Wahrscheinlichkeit während der Schwangerschaft verlassen, sie bleibt allein zurück. Die Selbstmordrate unter jungen Frauen ist erschreckend hoch.

Die Heirat ist ein großer Einschnitt in das Leben der Frau. Sie verlässt das Elternhaus und zieht in das Haus des Mannes und wohnt dort mit dessen Verwandten. Von diesen wird die frischgebackene Ehefrau nicht immer mit Respekt behandelt. Im Gegenteil: Aus der Perspektive der Familie des Bräutigams wird die Einwilligung in eine Ehe eher als Wohltat für die Braut gesehen. Zugestimmt wird nur, wenn die Eltern der Braut in der Lage sind, eine beachtliche Mitgift zu zahlen. In der neuen Familie kommt der Braut dann oft eine Rolle zu, die noch unter den anderen Frauen der Familie rangiert. Es ist nun ihre Pflicht, nicht nur ihrem Ehemann ergeben zu dienen, sondern auch ihren Schwiegereltern. Sie hat sich um den Großteil der Hausarbeit zu kümmern.

Auch bei der Anrede werden Frauen herabgestuft. Man verwendet im Nepali 4 Höflichkeitsformen, von herabwertend, beleidigend bis zu einer, welche so viel bedeutet wie:  „Eure Majestät“. Die Frau hat ihren Ehemann mit der höchsten Höflichkeitsformel anzusprechen. Die unterste Form verwendet man für ungezogene Kinder, Beleidigungen, Tiere und oft auch für seine Ehefrau.

Nur ganz langsam vollzieht sich in Nepal ein Wandel und man löst sich von althergebrachten Traditionen. Es bleibt zu hoffen, dass Frauen in Nepal, irgendwann nicht mehr als Menschen zweiter Klasse betrachtet werden.