Kinderwitwen

print
Kinderhochzeiten sind in Nepal Alltag. Stirbt der Ehemann, werden die verwitweten Mädchen zu Ausgestossenen. Man nennt sie Bekalayas, Kinderwitwen. Als Kind verheiratet und früh verwitwet. In der von Männern dominierten Gesellschaft Nepals gelten sie als Hexen, die ihre Männer «aufessen». Sie brächten Unglück, weil sie irgendwann im endlosen Zyklus aus Wiedergeburten in irgendeinem Leben irgendeine Sünde begangen haben sollen. So steht es in den Veden, den hinduistischen Schriften.

Deshalb müssen Bekalayas in diesem Leben büssen. Sie sind Ausgestossene, die ein Stigma tragen, das an ihnen haftet wie ein übler Geruch. Fast alles ist ihnen verboten: Sie dürfen keine andere Farbe tragen als Weiss, schon gar nicht Rot. Schmuck ist ihnen ebenfalls untersagt. Wenn Freunde und Familie feiern, sind sie nicht dabei. Sie dürfen keinen Tempel besuchen, weder Fleisch noch Fisch essen. Auch nochmals heiraten dürfen sie nicht. Sie dürfen weder das Haus verlassen, noch einem Mann in die Augen sehen. Denn das bringe Unglück, sagen die Männer. Bestenfalls werden Bekalayas von der Gemeinschaft als unsichtbare Mitmenschen geduldet; im schlimmsten Fall aus ihren Familien und Dörfern vertrieben, geächtet, verbrannt, ermordet. Viele junge Frauen enden als Bettlerinnen, Prostituierte oder als billige Arbeitskräfte für ihre Schwiegereltern.