Verzögerungen bei offiziellen Hilfsprogrammen

ID Cards

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Anfang Mai 2015 versprach die Regierung jeder Familie, die ihr Haus im Erdbeben verloren hatte, 200.000 Nrs. zu zahlen. Kurz darauf entschloss man sich, schnellstens eine Auszahlung von 15.000 Nrs zu verteilen – als Soforthilfe, die für den Bau von temporären Unterkünften genutzt werden sollte, bevor der Monsun kam. Dies war zwar keine riesige Summe, aber genug, um Wellbleche zu kaufen und ein Dach über dem Kopf zu bekommen, und so schien es, dass eines der dringendsten Probleme nach dem Erdbeben gelöst war. Aber dann ist das Programm ins Stocken geraten!

Es fing an sich zu verzögern, als beschlossen wurde, an Erdbebenopfer Identifikations-Karten auszugeben. Die ID-Karten waren erforderlich, um sicherzustellen, dass keine vorgetäuschten Opfer – Menschen, deren Häuser intakt waren – das Geld beanspruchen würden. Doch in einer Situation, in der die am stärksten betroffenen Distrikte bereits große Schwierigkeiten hatten, Hilfsleistungen zu organisieren und die Zerstörung zu beurteilen, war dies eine große Aufgabe. Die örtlichen Behörden kämpften bereits darum, Hilfe in ihre Gebieten zu steuern, und nun wurden sie inmitten von Trümmern und Erdrutschen noch zusätzlich beauftragt, alle Dörfer zu erkunden und alle Opfer zu registrieren!

Viele Schwierigkeiten verzögerten die Verteilung von ID-Karten. Eines davon war der Mangel an Registrierungen unter den Dorfbewohnern, die ihr Haus verloren hatten. Einige Hausbesitzer hatten ihre Staatsbürgerschaftskarten in ihren zerstörten Häusern verloren – und ohne diese Karte ist es nahezu unmöglich, über formelle Kanäle irgendetwas von den Behörden zu erlangen, sei es ein Ausweis oder eine Opfer-ID-Karte. Eine Kopie der Ausweispapiere wurde zwar teilweise in den örtlichen Verwaltungsbüros aufbewahrt, aber viele Erdbebenopfer konnten sie dort nicht anfordern, weil das Büro auch zerstört worden war oder die Beamten nicht mehr vorhanden waren, um es zu öffnen!

Ein weiteres übergeordnetes Thema war bald eine erhebliche Diskrepanz zwischen der Zahl der Opfer-ID-Card-Antragsteller – die behaupteten, dass ihre Häuser zerstört wurden – und die neuesten Zensus-Daten. Die Zahl der Häuser, die bei dem Erdbeben angeblich zerstört wurden, erwies sich als viel höher als die Gesamtzahl der Haushalte, die ein paar Jahre früher gezählt wurden!

Die Reaktion der örtlichen Bezirksämter war es, Verteilung von ID-Karten zu stoppen und stattdessen den Grund für die Diskrepanzen zu untersuchen. Es stellte sich heraus, dass es einerseits Haushalte mit mehr als einem Haus gab: sie versuchten, unter zwei verschiedenen Namen ihren Anspruch auf 15.000 Rupien geltend zu machen. Aber andere versuchten ihr Glück, ohne überhaupt berechtigt zu sein. Letztlich verzögert sich die anfängliche Soforthilfe in Höhe von 15.000 Nrs. immer mehr und machte schon bald ihrem Namen keine Ehre . Mitte Juli 2015 hatten viele Dörfer noch nichts erhalten! Und es gab noch andere Gründe für Verzögerungen wie ein Mangel an lokalen Mitarbeitern, schwierigem Gelände und schlechte Infrastruktur. Die unterbesetzten Kommunalbehörden mussten kämpfen, um die großen betroffenen Landstriche zu unterstützen. Die Regierung schickte zusätzliches Personal, aber es war noch lange nicht genug.

Es stellte sich heraus, dass das ID-Karten-System nicht den Missbrauch verhindern konnte, für dessen Vermeidung es aufgesetzt wurde. Zahlreiche Betrüger mussten verhaftet werden. Inzwischen mussten aber gleichzeitig tausende Familien, die Anspruch auf die staatliche Soforthilfe hatten, wochenlang warten, bevor die Behörden bereit waren, die erforderliche ID-Karte auszustellen. Viele Erdbebenopfer – darunter viele unregistrierte Frauen – haben bis heute keine offizielle Hilfe erhalten und werden das wahrscheinlich auch nie.